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Alt 28.02.2012, 17:53   #1
Fantastisch
Meister der Großjagd
 
Benutzerbild von Fantastisch
 
Registriert seit: 05.02.2012
Ort: Rheinland Pfalz
Beiträge: 936
Standard Die Kunst Recht zu behalten ;)

...oder wie schaffe ich es im Forum nicht als Dummschwätzer dazustehen.

Bei Erstellung eines Beitrages werden Dir immer wieder Menschen begegnen die versuchen werden Dich auf die ein oder andere Art von Deinem Standpunkt abzubringen.
Ziel hierbei ist nicht das Auffinden der Wahrheit, sondern das effiziente Durchsetzen des eigenen – möglicherweise auch falschen – Standpunktes.

Die beliebtesten Formen sind u.a.
Ablenken vom Thema,
Erklärungen einfordern,
Rechtfertigungsdruck aufbauen.
Wenn Du beginnst Dich zu verteidigen,hast Du verloren.

Hierbei gibt es mehrere Techniken die es zu unterscheiden gilt,zum besseren Verständnis einzeln aufgeführt.

Gezieltes Missverstehen

Das gezielte Missverstehen nötigt Dich zu erklären, was Du eigentlich meinst.Wendet man die 3 Techniken des gezielten Missverstehens mehrfach an, so mußt Du immer wieder Deine Formulierungen korrigieren.
Du wirst Dich in Details verlieren und am Ende als inkompetenter Labersack dastehen, der sich nicht klar ausdrücken kann und nicht weiß, worüber er eigentlich reden will.

Gezieltes Missverstehen gliedert sich in drei Untergruppen:

1. Alles oder Nichts

Die von Dir aufgestellte Behauptung wird durch Verallgemeinerung ad absurdum geführt und Du auf diese Weise einer Falschaussage überführt:

Beispiel: A=Du B=Dein Gegensprecher

A: Meinungsfreiheit bedeutet, jeder kann hier seine Meinung vertreten.
B: Aha, also auch Rechtsradikale? Na prima!
A: Nein, wir sind keine Plattform für Rechtsradikale.
B: Also kann nicht jeder seine Meinung vertreten!

2. Doppelter Boden

Deine aufgestellte Behauptung wird durch spitzfindiges Wörtlichnehmen bei gleichzeitigem Ignorieren des Sinnzusammenhanges ad absurdum geführt und Du der Lächerlichkeit preisgegeben.
Auf diesem Erfolgsprinzip beruhen legendäre Filmdialoge wie z.B. der Folgende aus der „unglaublichen Reise im verrückten Raumschiff”:

Beispiel:

„Hier ist Mission-Control. Geben Sie Ihren Namen und Position durch!”
„Mein Name ist Striker und ich sitze so da, mit dem Gesicht nach vorn. Aber warum wollen Sie das wissen?”

3. Vexierbild

Ein von Dir verwendetes sprachliches Bild, eine Methapher oder Analogie wird missverstanden und Du somit abqualifiziert:

Beispiel : A=Du B=Dein Gegensprecher

A: Eine Schlange mit 2 Köpfen ist eine Laune der Natur.
B: Achso? Hat die Natur jetzt schon Launen?
A: Nein, es ist eine Spielart.
B: So brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Jeder ernstzunehmende Diskussionspartner muss wissen, dass die Natur nicht handelt, also weder spielt noch Launen hat.

Manche Diskussionsgegner lassen sich auf Schlaumeierei ein. Dann ist Beharrlichkeit gefragt:

A: Nichts ist nur schwarz-weiß.
B: Ein Schachspiel ist nur schwarz und weiß!
A: Die Figuren sind schwarz und weiß. Das Brett aber besteht aus hellem und dunklem Holz: beige und dunkelbraun.

Ein weiteres Beispiel muss her:

A: Zebras sind schwarz und weiß.
B: Die Zunge von Zebras ist rosa.
A: Wenn ich einen schwarzen Punkt auf weißes Papier mache, ist es schwarz-weiß!
B: Unter dem Mikroskop betrachtet …

So kann man immer kleinere Korinthen kacken bis hin zu Elementarteilchen:

A: Photonen sind die kleinsten Elementarteilchen, sie haben gar keine Masse.
B: Die Wissenschaftler entdecken doch alle paar Wochen was Neues. Niemand weiß, ob Photonen wirklich die kleinsten sind.

An dieser Stelle hast Du den Kampf ums Rechthaben verloren. Und nicht nur dasu hast auch über die ganze Haarspalterei Dein Thema vergessen!

Sich seitwärts in die Büsche schlagen

Bei dieser Strategie nimmt man Dir den Wind aus den Segeln, indem man sich mit einem Detail Deiner Aussage in die Büsche schlägt und nicht wieder herauskommt. Du wirst gezwungen, Deine Argumentation zu verlassen und Dich mit dem herausgepickten Detail zu befassen.

Erliegst Du der Hoffnung, nach Klärung der Detailfrage wieder auf das Thema zurückkommen zu können, so bist Du im Irrtum: Vom ersten Detail ausgehend kann man wieder ein Detail hernehmen und davon wieder eines usw. So kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen und Du hast keine Chance, die mäandernde Debatte wieder auf Dein eigentliches Anliegen zurück zu führen. Mit jedem neuen Seitenthema finden sich neue Diskutanten ein, die an Deinem eigentlichen Thema kein Interesse haben.

Wer das taktische Missverstehen beherrscht, wird keine Probleme haben, die Strategien zu kombinieren.

Einen Kuckuck ankleben

Der Gerichtsvollzieher klebt an pfändbaren Besitz einen sog. Kuckuck – das Pfandsiegel – und beschlagnahmt damit den Gegenstand. Diese Taktik kann man auch im Streitgespräch anwenden, indem man deiner These einen „Kuckuck” anklebt und sie damit für sich beschlagnahmt: Man erweitert die These z.B. um eine falsche Schlussfolgerung, widerlegt diese Erweiterung und behauptet, die gesamte These sei nunmehr widerlegt.
Auf die gleiche Weise kann man mit dem Gegenteil der These verfahren.

Mit Dreck werfen

Wer keine Scheu hat, sich selbst etwas schmutzig zu machen, kann mit diesem Kunstgriff jeden Disput für sich entscheiden.

Das geschieht, indem man nicht Deine vorgebrachte These angreift, sondern dich als Person.
Am besten eignen sich hier Unterstellungen jeder Art, gern politisch inkorrekt: Inkompetenz, Voreingenommenheit, Eigennutz, charakterliche Defizite,schwacher Sozialer Hintergrund etc.

Wirst Du auf diese Weise angegriffenen bleiben Dir nur zwei Möglichkeiten: Kapitulation oder Verteidigung. Eine erfolgreiche Verteidigung gelingt höchst selten.

Ungeübte begehen oft den Fehler, emotionalisiert ihre Ehre verteidigen zu wollen und lassen sich auf den Austausch von Beleidigungen ein. Dann haben sie bereits verloren.

Ihr Anliegen versinkt im Sumpf unwürdiger Pöbelei – sie haben sich selbst disqualifiziert. Der Angreifer hat dagegen nichts zu verlieren. Dass er kein Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung hatte, war von Anfang an klar. Er zieht das Rechthaben der Ehre vor.

Auch das Ignorieren der Dreckschleuder führt nicht zum Erfolg. Deine These kannst Du kaum mehr vertreten. Deine Unterstützer werden sich vom Thema ab- und der Verteidigung zuwenden. Die Dreckschleuder hat die Diskussion annektiert und Dich mundtot gemacht.

Die vernünftigste Reaktion ist die Kapitulation. Diese Taktik spiegelt sich in verschiedenen Volksweisheiten wider:
„Der Klügere gibt nach.”
"Don't feed a troll"
oder „Don't argue with idiots. They'll drag you down to their level and beat you with experience.”

Das Dreckschleudern kann einzeln angewendet werden oder wenn Du Dich den anderen Methoden gegenüber als resistent erwiesen hast.

Wer sich die Finger nicht schmutzig machen, sondern am Ende sogar als verständnisvoller und einfühlsamer Gesprächspartner gelten möchte, der praktiziert das Dreckschleudern mit Gummihandschuhen und giebt sich als Küchentischpsychologe .

Unabhängig vom Thema stellt der Küchentischspychologe Fragen wie:

Was macht Dir denn diese Angst bei dem Thema?
Bist du in deiner Kindheit traumatisiert worden, dass Du so abweisend reagierst?
Hast Du bei dem Thema immer diese Blockade?

Das übt ganz sanft immensen Rechfertigungsdruck auf den Dich aus.Du wirst Dich verteidigen,statt weiter an Deiner Sachargumentation festzuhalten.

Und zu guter letzt,Dein eigentliches Anliegen ist natürlich nicht mehr als solches zu erkennen folgt :

Das Nachtreten

Dir wurde wie oben beschrieben erfolgreich ein Bein gestellt.
Nun fragt man, was Du da auf dem Boden suchst.
Als besonders beliebt und effizient erweist sich, sich mit dem Mäntelchen der Fürsorge zu umhüllen und nur Dir seine wahren herabwürdigenden, hämischen Absichten zu entblößen.

Mit Sprüchen wie :

"Vielleicht bist Du nächstes Mal in der Lage,Dein Anliegen etwas klarer zu formulieren, damit wir Dich auch alle verstehen."
"Nimm besser erstmal Urlaub. Danach bist Du sicher auch mental wieder auf der Höhe."
"Du solltest erwachsen werden und lernen, mit Kritik umzugehen."

Diese Technik ist auf perfide Weise unfair.
Allerdings ist die Frage, was wichtiger ist, Fairness oder Rechthaben, zum Zeitpunkt des Nachtretens längst entschieden.

Also achte genau auf das was Du schreibst,wie Du es Formulierst und vor allem welcher Antwort Du Beachtung schenkst und welcher besser nicht!

Mfg
__________________

In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten...Cui bono? – Wem zum Vorteil?
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Alt 28.02.2012, 19:17   #2
Nordmanntonne
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"Wir, die Willigen, geführt von den Unwissenden, tun das Unmögliche für die Undankbaren. Wir haben solange soviel mit sowenig getan, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu tun."
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